Unser Kennenlernen
Anfang des Jahres 2018 fiel mir eine "neue" Kollegin auf.
Das erste Mal hatte ich sie in der Raucherecke gesehen. Sie war immer umringt von den Kollegen, die sowieso den ganzen Tag in der Raucherecke anzutreffen waren. Sehr oft stand ich nicht wirklich bei dieser Truppe. Aber natürlich habe ich mich dann, als ich sie wahrgenommen hatte, auch etwas näher zur Truppe gestellt... nein, näher zu ihr positioniert. Und dann gab es eine Situation, an die ich mich noch sehr genau erinnere: Sie stand mal wieder umringt von Leuten in der Raucherecke und unterhielt sich mit einer Kollegin. Das Thema war Sex. Alle hörten interessiert zu. Sie erzählte, wie ihr einmal beim Sex das Bett zusammengekracht ist. Natürlich dachte ich da, dass sie in einer Beziehung wäre. Warum auch nicht? Sie ist attraktiv, hat eine schöne Stimme und intelligent ist sie auch.
An einem Abend hatte ich einen Bericht über Portugal gesehen und dachte an meinen Resturlaub, den ich in 6 Wochen antreten musste! Ich habe noch am gleichen Abend gebucht. Ein schönes 5-Sterne-Hotel auf einer Klippe direkt in Albufeira... Zimmer mit Meerblick
In den Tagen und Wochen danach habe ich sie natürlich auch immer wieder gesehen und wir haben uns immer öfter und länger unterhalten. Bald sprachen wir dann auch über private Dinge. Dass sie Kinder hat, die Ehe mit dem Vater geschieden sei und mit der Zeit kam dann auch raus, dass sie allein lebt. Sie hätte auch ohne Beziehung genug Sorgen.
Mittlerweile war es Anfang März und ich dachte mir, dass ich morgens mal wieder laufen sollte: Das macht den Kopf frei von überflüssigen Gedanken und hilft auch gegen den Winterspeck. Ich lief los und spürte nach den ersten 100 Metern einen kurzen Stich in der Leiste. Naja, ich war lang nicht mehr Laufen gewesen und dachte, an eine Zerrung oder Ähnliches. Vielleicht mal langsam machen. Als ich nach dem Laufen unter der Dusche stand, bemerkte ich eine Beule in meiner rechten Leiste. Mit dem Zeigefinger drückte ich vorsichtig auf sie und bemerkte ein Gluckern in Höhe des Hüftknochen. Es schmerzte nicht, aber es fühlte sich trotzdem nicht gut an. Ich nahm den Finger von der Beule, die dann auch gleich wieder da war. Nachdem ich das einige Male wiederholt hatte, wurde mir von diesem inneren Gluckern schwarz vor Augen.
Ich rief direkt meinen Hausarzt an und bekam einen Termin am späten Vormittag. Der Doc sagte mir natürlich das, was ich gar nicht hören wollte, aber eigentlich schon wusste: Leistenbruch! Ich sollte mir aber nicht soviel Gedanken machen und erstmal meinen Urlaub genießen. Nach dem Urlaub könnte ich mal einen Termin beim Chirurgen machen, der das mal genauer untersuchen sollte.
Ich hatte zwei Wochen Urlaub genommen und der Plan war. dass ich mich in der ersten Woche um den liegengeblieben Privatkram kümmere und dann in der zweiten Woche nach Portugal fliege. An meinem ersten Urlaubstag stand ich in den chirurgischen Abteilung der Klinik. Der Arzt der mich dort untersuchte war der Meinung, dass man das so schnell wie möglich operieren sollte und schlug mir einen Termin am 16. April vor.
Am 30. März flog ich dann abends nach Portugal. Nein, eigentlich flog ich erstmal nach Wien. Vorsicht, wenn man auf Reiseportalen eine Option bucht (z.B. Zimmer mit Meerblick). Da kann dann nämlich aus einem Direktflug nach Faro auch mal eine Europa-Rundreise werden.
Ich flog also abends nach Wien übernachtete 5 Stunden in einem Generation-X-Hostile am Flughafen Wien und flog dann am nächsten Morgen von Wien nach Faro.
Im Hotel waren nur Seniorenpaare und einige Familien mit kleinen Kindern. Das Wasser im Pool war ungefähr 12°C kalt, weil in den Wochen zuvor eine Kaltfront über die Algarve gezogen ist. Da keine Pinguine unter den Hotelgästen waren, herrschte am Pool gähnende Leere und vor allem war es tagsüber schön ruhig. Überhaupt war dort wenig los. Das Hotel befand sich auf einer 20 Meter hohen Klippe und man konnte über eine Treppenkonstruktion auf dem Hotelgelände den darunter liegenden Strand erreichen.
Die Tage verbrachte ich am Pool und abends ging ich an den Strand, an dem es mehrere Strandrestaurants gab. Am zweiten Tag habe ich den Fitnessraum des Hotels entdeckt und zum Glück gab es dort ein Laufband. Die restlichen Tage begann ich dann jeweils mit 30 Minuten vorsichtigem Laufen. Aber egal was ich tat, ich hatte die ganze Zeit nur sie im Kopf. Ich war wohl gerade dabei mich in sie zu verlieben. Aber sie sagte ja, dass sie keine Beziehung will.
Ich hatte zwar Bücher dabei, nahm auch immer eines mit zum Pool und hielt es mir stundenlang vor's Gesicht, aber meine Gedanken waren bei ihr. An einem Tag habe ich mir einen Mietwagen genommen, und bin zu diesem Leuchtturm gefahren, der angeblich der westlichste Ort Europas sein soll. Aber auch dort stand ich zwischen den ganzen Touristen, schaute auf die wilde Brandung des Atlantiks und war in den Gedanken bei ihr in der Raucherecke.
Der Urlaub war schon entspannend, aber ich war dann auch froh, wieder nach Hause zu kommen. Es war Freitag und Montag würde ich sie wiedersehen.
Ich glaube, dass ich mir noch nie einen Montagmorgen so herbeigesehnt hatte. Ich war total enttäuscht, als ich am Montag erfuhr, dass sie diese Woche Urlaub hatte, weil ich ja in der nächsten Woche meine OP hatte und sie wohl länger nicht mehr sehen würde.
Montags fuhr ich morgens mit dem Taxi in die Klinik. Zur OP kann ich nichts sagen, aber das Aufwachen nach der Narkose wird mir immer in Erinnerung bleiben. Das war wirklich merkwürdig. Die erste Wahrnehmung war, dass ich hörte, wie jemand ganz weit weg meinen Nachnamen rief. Das wiederholte sich einige Male, wobei ich das Gefühl hatte, dass die Stimme immer lauter wurde. Plötzlich rief eine andere Stimme - und ich schwöre es war ihre Stimme - laut einmal meinen Vornamen. Ich öffnete ich die Augen und war im Aufwachraum. Nach zwei Stunden wurde ich dann abgeholt und nach Hause gefahren.
Ich schlief bis zum nächsten Morgen und checkte dann erstmal den ganzen Papierkram, den sie mir in der Klinik in die Hand gedrückt hatten. Als ich zur Krankmeldung kam war ich schockiert. Ich war für 2 Wochen (inklusive dem Montag) krankgeschrieben. Ich habe sogar nochmal in der Klinik angerufen und nachgefragt, ob da ein Fehler vorlag, weil der Chirurg von einer Woche gesprochen hatte. Ich erhielt dann eine halbe Stunde später einen Rückruf einer Ärztin, die mir erklärte, das zwei Wochen bei der OP normal wäre und warf noch ein "Glauben Sie mir, die zwei Wochen werden Sie in jedem Fall brauchen!" hinterher. Echt gemein, ich hatte sie ja schon drei Wochen nicht gesagt und jetzt kommen noch zwei dazu
In den nächsten Tagen rief ich mal bei meinen Kollegen an und berichtete, dass ich eine Woche länger krankgeschrieben sei. "Schade, dann bist Du nächste Woche gar nicht da. Wir machen ein Frühstück im Büro." sagte mir meine Kollegin. "Ich schau' mal, wenn ich am Montag wieder Autofahren kann, dann komme ich zum Frühstück vorbei."
In der folgenden Woche für ich mit einem selbst gebackenen Käsekuchen bewaffnet ins Büro. Und als ich an ihrem Büro vorbeikam, drückte ich auf die Türklinke. Die Tür ging auf und sie sass an ihrem Schreibtisch. Meine Sonne strahlte wieder! Wir redeten kurz und ich lud sie ein, zu unserem Frühstück zu kommen und machte noch Werbung mit meinem Käsekuchen. Dann ging ich zum meinen Kollegen und dem Frühstück.
Sie hatte nur ein kleines Stück vom Kuchen probiert, aber wir gingen dann zusammen runter in die Raucherecke und redeten lange.
Seit der OP waren drei Wochen vergangen und weil sich für mich alles wieder normal anfühlte, beschloss ich, mich in einem Fitnessstudio in der Nähe meines Büros anzumelden. Vorteil war, dass ich mein Auto in der Tiefgarage stehen lassen und zu Fuß ins Studio laufen konnte. Dort ging ich dann 2-3 mal pro Woche nach der Arbeit trainieren. Ich wollte ja noch die Pfunde vom letzten Jahr loswerden.
An einem Abend kam ich vom Training zurück und sie stand vorm Haus in der Raucherecke. Irgendwie wirkte sie erschöpft, fast schon traurig. Wir unterhielten uns lange und dabei erzählte sie, dass sie ein Problem mit ihrem Sohn hat. Was es genau war, sagte sie aber nicht. Ich hatte das Gefühl, dass sie gerade jemanden zum Reden brauchte und sehr froh war, dass ich gerade da war.
In dieser Zeit plante unsere Firma den Umzug unserer Büros in ein anderen Gebäude. Zwar am gleichen Ort, aber ca. 2km entfernt.
Der Umzug wurde zeitlich verzögert nach den einzelnen Bereichen geplant. Mein Bereich war um den Feiertag Christi Himmelfahrt vorgesehen.
Am Freitag nach dem Feiertag kam ich ins Büro und fand nur einen leeren Schreibtisch vor. Ich rief meinen Kollegen an und der sagte mir, dass wir ab dem Freitag unsere Sachen abgeholt werden und es bis Montag dauert, bis unsere neuen Büro ausgestattet sind. Und eigentlich war abgesprochen, dass wir an dem Freitag von zuhause arbeiten. Da hatte ich wohl etwas verdrängt... vielleicht sogar bewusst. Ich schaute, ob sie in ihrem Büro sitzt und ja, sie war da. "Ist bei Dir noch ein Platz frei und darf ich da heute mal arbeiten, weil mein Büro schon weg ist?"."Natürlich" sagte sie und ich richtete mich an dem Schreibtisch gegenüber ein. Neben unserer Arbeit unterhielten wir uns, weil an diesem Brückentag nicht viel los war.
"Was machst Du am Wochenende?". Sie erzählte mir, dass sie eigentlich mit ihrem Sohn grillen wollte, aber der hat dann kurzfristig abgesagt. "Dann komme ich eben zum Grillen vorbei.", schlug ich vor. "Ich überlege es mir.", war ihre Antwort. Ich sendete Ihr von meiner Privatnummer eine Nachricht auf ihr Diensthandy. "Schick' mir einfach Deine Antwort. Und wenn Du ja sagst, bitte auch noch die Adresse, wo ich dann hinkommen soll.".Gegen mittag war ich mit meiner Arbeit durch und fragte, wir lange sie heute arbeiten muss. Sie hatte an dem Tag Dienst bis 16:00. "Ich baue mal ein paar Überstunden ab". Wir verabschiedeten uns: "Bis Sonntag dann."
An diesem Nachmittag war ich bei meinen Eltern und ich dachte nur, dass der Sonntag noch weit weg war. Ob sie sich überhaupt melden würde? Ich sass bei meinen Eltern auf dem Balkon und schmiedete einen Plan.
"Ich habe keine Lust bis Sonntag zu warten. Wollen wir vielleicht heute Abend in XXX etwas essen gehen?“. Ich war total aufgeregt und mein Herz schlug immer schneller. Vielleicht war ich zu forsch. Mit jeder Minute, in der keine Antwort kam, stieg mein Puls um 10 Schläge an. Doch dann kam eine Antwort. „Ja gerne?". Ich wusste, dass sie in XXX am Bahnhof in eine andere Bahn umsteigen muss. Also schrieb ich ihr, dass ich vor dem Bahnhof am Taxistand auf die warte und so solle mir bitte eine ungefähre Uhrzeit sagen. Die Antwort kam umgehend.
Ich fuhr direkt nach Hause und mich für unser Date noch etwas aufzufrischen und dann los nach XXX zum Bahnhof.
Ich wartete nicht lange und dann stand sie da. Ich fühlte mich wie ein Teenager und wir beide grinsten bei der Begrüßung. Sie stieg in mein Auto. In der Nähe des Bahnhofs gab es einen Italiener, der nach ihrer Meinung ganz gut war. Wir sassen da, das Essen war lecker und wir redeten und lachten viel. Irgendwann beschlossen wir zu bezahlen. Der Wirt kam mit der Rechnung auf dem Silbertablett. Ich legte einen Schein auf das Tablett, der Wirt nahm es mit und kam mit dem Wechselgeld zurück. Allerdings hat er neben dem Wechselgeld auch den Schein, den ich aus Tablett gelegt hatte, auch wieder zurück gegeben.
Es war draußen schon dunkel und wir machten noch einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt von XXX. Ich hätte sie gerne berührt. In dem Augenblick als ich das dachte, hakte sie sich mit Ihrem Arm in meinem ein. Wenn ich heute an diesen Moment denke, dann spüre ich noch immer dieses wahnsinnig schöne Gefühl.
Danach redeten wir nicht mehr viel. Wir genossen einfach diesen Moment. Ich wollte gar nicht mehr zum Auto sondern wäre viel lieber die ganze Nacht mit ihr im Arm durch die Stadt gelaufen.
Als wir am Auto ankamen sagte ich, "Schade, ich muss Dich jetzt loslassen.". Ich fuhr sie nach Hause. Als wir dort ankamen, lud sie mich noch auf einen Kaffee zu sich ein. Die Nacht verbrachten wir auf ihrer Couch. Wir lagen uns in den Armen (in Bekleidung) und waren glücklich.