Gedanken heute
Die Schmerzen lassen langsam nach. Oder vielleicht gewöhne ich mich immer mehr daran, mit dem Schmerz zu leben. Apropos Leben: es fühlt sich anders an. Als sie noch in meinem Leben war, freute ich mich auf den neuen Tag. Heute ist es mehr die Hoffnung, dass morgen ein guter Tag wird, an dem etwas Gutes passiert.
Dass es die Frau, die ich so sehr liebe, eigentlich nicht mehr gibt, ist mir bewusst. Die Gründe, die sie mir damals nannte, verstehe ich nicht und vielleicht versteht sie es selbst nicht. Das macht es nicht leichter für mich. Aber es hilft auch nichts, wenn ich ihre Entscheidung nicht akzeptiere und versuche, mit ihr darüber zu diskutieren. Sie ist nicht mehr die Frau, die ich liebe und dass sie eines Tages zurückkommt, wird immer unwahrscheinlicher.
Es ist so verdammt schwer, sie aus dem Kopf zu bekommen. Wir haben so vieles geteilt und wenn ich heute an den Orten bin, an denen wir gemeinsames erlebt haben, versinke ich in den Erinnerungen, die ich dort mit ihr hatte.
Nun könnte man sagen: "Meide diese Orte doch einfach!". Aber es gibt so viele Orte an denen ich mich persönlich so gerne aufhielt und ich sie damals dabei haben wollte.
Früher hätte ich mich vermutlich versucht, mich in neue "Abenteuer" zu stürzen. Aber seit ich die kenne und liebe, sind andere Frauen nur noch Menschen für mich, die zwar alle ihre Stärken, aber auch ganz viele Schwächen haben.
Im Moment kann ich es nicht einmal ertragen, wenn ich von anderen Frauen, die nicht zu meinem Bekanntenkreis gehören, in Gespräche verwickelt werde. Ich möchte am liebsten jedes Interesse an mir, bereits im Keim ersticken und sagen: "Es ist besser, mich in Ruhe zu lassen.".
Der Mensch, der einem am meisten bedeutet, ist derjeneige, der einem den größten Schmerz zufügen kann. Für mich ist sie dieser Mensch. Aber war ich für sie dieser Mensch? Und wenn ja, womit habe ich sie so sehr verletzt, dass ihre Liebe erloschen ist? Oder hat sie mich nie wirklich geliebt?‚
Ich habe so viele Fragen und halte es für unwahrscheinlich, dass ich jemals auch nur eine Antwort erhalte.
Es gibt Tage, an denen wünsche ich mir, dass sie sich meldet. Uns gegenseitig erklären können, was in uns vorgeht und versuchen, einen neuen gemeinsamen Weg zu finden. Und dann gibt es noch die Tage, an denen ich wünsche, dass ich ihr nie begegnet wäre. Denn dann hätte ich nie gelernt, wie sich Liebe anfühlt und wie sehr man sich nach einem Menschen sehnen kann.
Ich kann nicht verstehen, wie Liebe einfach so sterben kann. Oder war es nie Liebe?
An Tagen, an denen ich sehr beschäftigt bin, fühlt es sich fast normal an. Wenn ich dann zur Ruhe komme, habe ich Gedankenflashes. Ich sehe Szenen, die wir damals gemeinsam erlebt haben. Meistens sind es positives Erlebnisse. Manchmal aber auch Episoden, in denen wir Streit hatten und die mir bereits damals leid getan haben. Und heute noch viel mehr.
Freunde sagen mir, ich sollte an mein Leben denken. Neue Frauen kennenlernen. Ich sehe keine Frauen. Ich sehe Menschen, die an mir vorrüberziehen. Ich will nicht reden, ich will schweigen. Große Menschenansammlungen bereiten mir Stress und ich fühle mich beobachtet. Vermutlich bilde ich mir das nur ein, aber ich komme damit nicht zurecht. Ich will am liebsten unsichtbar sein und versuche diese Ort so schnell wie möglich zu verlassen.
Die Ironie des Schicksals ist: In der ersten Zeit unseres Zusammenseins hatte ich Angst vor zu viel Nähe. Dass ich mich zu sehr an sie gewöhne. Das führte zu damals zu vielen Konflikten und auch dazu, dass wir uns mehrere Male für Wochen, Monate aus dem Weg gingen. Mit jeder Trennung wurden mir bewusster, wie sehr ich sie liebe und nach der letzten Trennung in 2021 war mein Gedanke: "Jetzt entweder richtig oder gar nicht!". Ich habe mich für sie entschieden und wollte nie wieder Angst davor haben, dass ich mich in der Liebe zu ihr verlieren könnte.
Was ist Liebe? Ist es wirklich nur ein Zustand, der uns durch unsere Hormone vorgegaukelt wird? Oder ist es dieses große, wunderbare Gefühl, dass dafür sorgt, dass zwei Menschen sich für immer verbinden und zusammen in die gleiche Richtung blicken. Ich werde es nie erfahren...
Ich würde sie gerne wiedersehen. Doch gleichzeitig habe ich eine unbeschreibliche Angst davor, weil ich nicht weiß, wie sich das anfühlen wird.
Den Kontakt zu Menschen finde ich im Moment sehr anstrengend und enttäuschend. Die meisten reden über belangloses Zeug, ihren Kram und ich denke nur: "Ihr habt keine Sorgen. Also redet doch bitte nicht von Problemen. Redet doch über schöne Dinge".
Gestern war wieder ein Tag an dem viele Gedankenflashes in meinem Kopf umher gegeistert sind. Das Merkwürdige an daran: ich war nicht zuhause, war mit Leuten Kaffeetrinkenund habe ich mich eigentlich ganz gut mit ihnen überhalten. Trotzdem kamen immer wieder die Erinnerungen auf, blitzartige Erinnerrungen an Momente, die ich mir ihr erlebt habe.
Ich glaube, dass alles an mir lag. Ich war nicht in der Lage, ihr die Gefühle, die ich für sie empfunden habe, zu vermitteln. Ihr zu zeigen, dass ich sie liebe, mir wichtig ist, dass ihr es gut geht und ich an eine gemeinsame Zukunft mit ihr geglaubt habe. Das Paradoxe ist, ich mache mir keine Gedanken, wie es mit mir weitergeht. Ich mache mir darüber Gedanken, wie es ihr geht und hoffe, dass sie glücklich ist.
Loszulassen fällt mir schwer. Bei allem, was mir wichtig war, war sie dabei. Dabei habe ich das am Anfang unseres Zusammenseins nicht für möglich gehalten.